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Im Moment ist die politische Lage in Kenia angespannt und vor allem sehr unübersichtlich. Täglich gibt es neue Entwicklungen die die Lage noch unklarer machen. Nach der Entscheidung des Obersten Gerichts Anfang September die Wahl zu annullieren und 60 Tage für Neuwahlen anzusetzen haben sich die Ereignisse überschlagen.

Zuerst einmal ist es logistisch kaum machbar überhaupt in so kurzer Zeit eine Wahl zu organisieren. Dann ist natürlich auch sehr fraglich die gleiche Kommission zu verwenden die Wahl zu organisieren wie zuvor.  Aber wir möchten uns aus Spekulationen heraushalten. 

  

Seitdem ist viel passiert und m Moment weiß man nicht ob und wie nächste Woche es eine Wahl geben wird.

Die größte Opposition Partei (NASA) hat von Anfang an Forderungen gestellt, dass die Wahlkommission ausgetauscht wird. Diese Forderungen haben sie mit Aufrufen zu Protesten verstärkt, dadurch gibt es seit Wochen jeden Montag, Mittwoch und Freitag Demonstrationen nach dem gleichen Muster. Wenige kommen zusammen, die Polizei geht sofort dazwischen und vertreibt die Leute mit Tränengas. In anderen Städten, vor allem in West Kenia wo die Opposition die Mehrheit hat sind die Proteste intensiver. Dort ist auch der Einsatz der Polizei wesentlich stärker und es gab etliche Tote.

Leider sind Proteste hier oft von bezahlten Demonstranten angeführt, gefolgt von Jugendlichen und anderen die auch teilnehmen, weil sie sich Chancen versprechen davon und auch von Kriminellen die die Unruhe nutzen um zu stehlen. So wurde mehrfach auch Geschäfte geplündert, oder unnötig Eigentum beschädigt.

Aber die Proteste sind nur das sichtbarste Symptom der Lage. Beunruhigender ist eigentlich die Schacherei hinter den Kulissen. Raila Odinga, der Kandidat hat letzte Woche seinen Rücktritt von der Wahl erklärt, das Kalkül dabei war, das bei nur einem verbleibenden Kandidaten keine Wahl stattfinden kann, da dies gegen die Verfassung verstößt. Damit wollte Odinga sich Zeit kaufen. Doch am gleichen morgen hat ein Gericht einer Klage eines vorherigen Kandidaten stattgegeben. Er hatte dagegen geklagt, das er nicht wie bei August Wahl wieder zugelassen wurde, sondern das die Wahlkommission nur die zwei stärksten Kandidaten genannt hat für die Wahlwiederholung.  Somit waren es dann wieder 9 Kandidaten und Odinga`s Rücktritt leider ohne den erwünschten Erfolg, da es nur wieder mehr Kandidaten gab. Diese anderen 7 Kandidaten hatten aber gemeinsam im August nicht 1% der Stimmen errungen!
Odinga hat bisher nicht seinen Rücktritt vom Rücktritt verkündet, aber er hat auch nicht das offizielle Papier eingereicht welches er einreichen müsste. Auf den Wahlzetteln wird er also als Kandidat stehen. Die Opposition will die Wahl im gesamten boykottieren.

Die Medien sind voll von gegenseitigen Anschuldigungen, zum Teil so irre, dass man sich fragt ob es überhaupt jemand glauben kann. Aber wenn man sieht wie oft es in Sozialen Netzwerken geteilt wird, scheint man im Moment alles zu glauben was „seine“ Leute sagen. Der Regierungssprecher hat heute in einer 15-minütigen Ansprache im Fernsehen erklärt wie die Opposition eine Sekretärin der Wahlkommission bestochen hat damit sie zurücktritt und in den US Zuflucht sucht. Dies sei Teil einer Verschwörung in die neben der Opposition die Mafia, Pablo Escobar und andere Drogenbarone verwickelt sind, weil sie wollen Kenia zu einem Staat machen in dem alle Verbrecher Straffreiheit haben und so sollen alle der organisierten Kriminalität hier nach Kenia gelockt werden.

Solche und viele anderen Geschichten werden täglich verbreitet. Was sie zeigen ist, dass die Politik im Moment nicht um Fakten und Versprechen bemüht ist, sondern um reine Bloßstellung und Sabotage des politischen Gegners. Die Meldungen jeden Tag sind so zahlreich, das einzelne davon untergehen, so bleibt die Wahrheit auf der Strecke. Es gibt keinen Aufschrei wenn der Leiter der Wahlkommission sagt, dass er keine freie und faire Wahl garantieren kann. Wenn der Oberste Gerichtshof feststellt, dass die Regierung für Millionen von $ Wahlwerbung auf Staatskosten hat machen lassen als Werbung für die Erfolge Kenias getarnt.

Im Moment scheint die Politik die Menschen hinter sich gelassen, es geht nicht um das Wohl der Bevölkerung, sondern um Machterhalt. Die Menschen sind es müde, das die eh schon korrupte Politik sich nunmehr gar nicht mehr um sie kümmert. Mir ist es nicht gelungen in allen Meldungen eine zu finden in der einer der Politiker etwas gesagt hat in dem es um das Wohl des Volkes ging.

In alledem sind wir nur Beobachter, die Proteste finden nicht in unserer Nähe statt und wir merken kaum etwas davon, was wir merken sind die gestiegenen Preise und die Resignation der Leute die einfach keine Lust mehr haben auf die Situation.

Wie die kommende Woche werden wird ist schwer zu sagen, aber man hat den Eindruck, dass die Leute einfach nur wollen das es vorbei ist.

Wenn die Opposition am Wahltag wie angekündigt die Wahl behindern will, wird es sicherlich zu Problemen und Gewalt kommen, aber wie das weitergehen wird ist schwer zu sagen. Es wird sicher starke Zweifel am Ergebnis geben und wieder eine Vielzahl an Klagen. Es wird also eine politische Situation sein, die Kenia noch länger im Griff haben wird.

Fern von Nairobi meint man nicht weiter im „Dienst“ vor Ort zu sein, weit weg von persönlichem Kontakt und in einer anderen Welt scheint unser Dienst in Nairobi weit entfernt. 

Aber Social Media macht die Welt zu einem Dorf!
In Kenia ist Facebook und Twitter sehr weit verbreitet und dient vielen als das Mittel Fragen zu klären, Dinge zu verkaufen und sich Rat zu holen. So gibt es unzählige Facebook Gruppen in denen Dinge verkauft werden, Wohnungen gesucht werden, Tiere ein zu Hause suchen und Austausch statt findet. Schon viele unserer Gäste haben wir durch die Gruppen gefunden, einen Hund adoptiert und unsere Kätzchen abgegeben.

In einer solchen Gruppe fragte kürzlich eine junge Frau nach Rat bezüglich Adoption.

Steffi hatte ihr geantwortet, in der Annahme, dass sie adoptieren möchte. Als Antwort kam, dass sie ihr ungeborenes Kind zur Adoption geben möchte! Sie hat dann per Chat ihren langen Weg des Leidens geschildert, wie sie vor vielen Jahren aus Uganda nach Kenia kam, hier als Hausmädchen sich durchgeschlagen hat und dann die große Chance hatte bei einer Airline eine Anstellung zu finden. Irgendwo lernte sie einen Mann kennen, die vermeintlich große Liebe. Aus dem arabischen Raum haben sie eine Wohnung in Nairobi gekauft, da er vor Ort war hat er sich um alles gekümmert.

Zu spät ist sie dahintergekommen, dass er die Wohnung auf sich eingetragen hat und sie betrogen hat. Alles war weg und er auch!
Sie hat es vor Gericht versucht, aber er hat sie in eine Falle gelockt und ihre Papiere geklaut, somit konnte sie sich nicht mehr ausweisen und die nötigen Beweise bei der Bank bekommen.
Da sie keinen Ausweis mehr hat, konnte sie auch nicht mehr bei der Airline arbeiten, so brach alles zusammen. Und zu guter Letzt war sie auch noch schwanger!
Ohne Papiere, ohne Arbeit, ohne Unterkunft war sie verzweifelt und auch kein Weg zu sehen wie sie sich und vor allem später einmal das Baby versorgen kann.

Deshalb suchte sie eine Adoptionsstelle!

In vielen Chatnachrichten, konnte Steffi sie überzeugen sich eine Chance zu geben und Hilfe zu suchen. Sie schrieb, dass sie schon sehr oft an Suizid gedacht hat. Wir haben sie zu einer großen Kirche geschickt die ein Programm hat, das sich um Familien in Not kümmert. Dort wurde sie leider abgewiesen, da sie ja Single ist und noch kein Kind hat.
Zum Glück konnte Steffi sie überzeugen, den langen Weg bis zum Nest zu machen. Dort ist sie aufgenommen worden und die Hausmutter Mary hat sich wunderbar um sie gekümmert.
Eine der „Auflagen“ im Nest ist, dass sie im Babyshome mithelfen muss Babys zu versorgen und sich dort einzubringen. Die letzten Wochen ist sie jetzt dort gewesen, Steffi hat sie fast täglich per chat „beseelsorgt“. Langsam konnte man sehen wie sie wieder Vertrauen und Hoffnung bekam.

Gestern kam dann wieder eine Nachricht von ihr, sie will das Baby behalten und hat Hoffnung gefasst es zu schaffen! Sie schrieb, dass sie ohne die Hilfe bereits alle Hoffnung aufgegeben hatte, für sich und das Baby.
Sie schrieb, dass sie das Baby Steffi nennen möchte wenn es ein Mädchen wird! Toll wie Soziale Medien solche Möglichkeiten eröffnen. Wir freuen uns sie nächste Woche dann auch persönlich kennen zu lernen.

 

 

Soziale Medien sind ein Segen, den zu vielen für euch halten wir so Kontakt und ihr könnt einen Anteil heben an unserem „normalen“ Leben hier in Kenia.

In Kenia ist Socialmedia ein großes Thema, vieles läuft über Facebook und Twitter, nicht zu letzt da es im Gegensatz zu einer eigenen Webseite nichts kostet.  Es gibt etliche Gruppen und Twitter Konten die im täglichen Leben unerlässlich sind. Anstatt ebay Kleinanzeigen gibt es Facebook gruppen zum inserieren, anstatt Verkehrsmeldungen im Radio gibt es Twitter Konten mit Meldungen wo es staut und in einer Stadt mit viel Kriminalität ist es gut ein Auge auf die Twitter Konten der Nachrichtenagenturen zu haben.

    

Doch auch hier ist es wichtig im Hinterkopf zu haben, dass nicht alle Meldungen und Tweets die Wahrheit sind. Auch hier gibt es alternative Fakten!

Die letzten Tage haben wir damit einige Erfahrungen gemacht. Unser italienischer Nachbar wurde Opfer einer solchen Social Media Kampagne. Letzte Woche tauchte bei Facebook und Twitter ein Post auf in dem er beschuldigt wurde einen anderen Verkehrsteilnehmer mit einer Waffe bedroht zu haben. An der Geschichte stimmt nichts außer, dass einer sich durch ihn im Verkehr belästigt fühlte und an der Einfahrt zu einem Einkaufszentrum auf Roberto losging. Die Diskussion war intensiv, vor allem da der Kenianer sehr aggressiv wurde. Roberto hat versucht der Situation zu entkommen und so wie wir ihn kenne ist er sicher nicht handgreiflich geworden.

In dem Post der danach in den sozialen Medien viral ging wurde er bezichtigt das ganze gestartet zu haben und sogar mit einer Waffe gedroht zu haben! Von dem stimmt so gut wie nichts, es macht auch von der zeitlichen Abfolge keinen Sinn, aber der Post wurde fast 400 mal geteilt und hunderte Kommentare wurden gemacht, viele davon sehr rassistisch und ein Deportation fordernd.

Die Geschichte wurde wieder und wieder geteilt und neu online gestellt, so das man davon ausgehen kann das viele zehntausend Menschen hier das ganze wahrgenommen haben! Immer wieder wurde durch verschiedene # auch Arbeitgeber und Kollegen mit involviert.

 

Verständlicherweise war und ist es für Roberto eine sehr negative Erfahrung die mittlerweile mehrere Anwälte, Polizisten, UN Büros und Gerichte beschäftigt. Durchsuchungen wurden gemacht um zu verifizieren das er wirklich keine Waffe besitzt, Roberto musste etliche Stunden mit Polizei und Sicherheitsdiensten sprechen und die Anschuldigungen widerlegen. Dabei gibt es Videoaufnahmen des Einkaufszentrums die den ganzen Vorfall aufgezeichnet haben und klar zeigen wer wen angegriffen hat und dass es keine Waffe gab in dem ganzen Fall!

 

Zum einen erschreckt es wie schnell jemand nahezu Landesweit in Verruf gebracht wird und wie schnell ein einfacher Post zu hundertfachen rassistischen Ausuferungen führt obwohl an der eigentlichen Geschichte nichts stimmt.

Zumindest konnte ich Roberto etwas helfen und ihn etwas moralische Unterstützung geben.