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Wir sind nun kaum drei Wochen in Kenia, haben aber schon so manches erlebt!
Ein „Highlight“ der vergangenen Woche war dabei sicher, dass ich vor Gericht als Angeklagter erscheinen musste!
Das liegt daran, dass hier in Kenia selbst kleinste Verkehrsverstöße vor Gericht verhandelt werden. In Deutschland habe ich in über 20 Jahren nur einmal ein Knöllchen bekommen, aber hier hat es keine drei Wochen gedauert...

Der Wagen der hier zu Haus gehört ist als „commercial“ registriert, also als Geschäftswagen für Handel, das hat zur Folge, das es ein Geschwindigkeitslimt von 80km/h gibt. Als wir letzten Sonntag nach Nanyuki 200km nördlich von Nairobi unterwegs waren, wurden wir halben Weg an einem der vielen Polizei Checkpoints angehalten, an sich nichts besonderes. Doch die Polizistin hatte auf ihrem Schmierzettel unser KFZ Kennzeichen notiert daneben die Zahlen 94/80 11:16am. 

Wir sollten also knapp eine halbe Stunde zuvor irgendwo mit 94km/h unterwegs gewesen sein. Ich hatte versucht die 80km/h einzuhalten, aber da es ein Automatikwagen mit nicht schlappen Motor ist kann es schon mal passiert sein. Wir mussten zur Polizeistation fahren, der Polizist dort roch nicht nur nach Alkohol sondern hatte auch sehr sehr viele Worte zu den unzähligen Anderen die wohl aus dem gleichen Grund dort aufgehalten wurden wie wir. Er kam immer mal vorbei um den Weißen nochmal zusagen wie böse ihre Tat war. 

Da wir uns vorgenommen haben den korrekten Weg des Gesetzes zu gehen, habe ich nach allerhand Entschuldigungen und Anerkennung der Schuld an so ziemlich allem einwilligt die Strafe zu zahlen. Was uns bis dahin auch nicht bewusst war, ist dass in Kenia die Strafe zwar vor Ort bezahlt wird, dies aber nur eine Art Anzahlung ist für die Strafe die dann vor Gericht verhängt wird. Immerhin konnte ich den Polizisten noch dazu bewegen den Termin für das Gericht auf den Mittwoch zulegen an den wir sowieso nach Nairobi zurück wollten. Mit schlechter Laune und sehr gemischten Gefühlen sind wir dann weiter zu unserem Kurzurlaub gefahren. Auch wenn die Sache eigentlich klar ist und die Strafe klar geregelt ist, so ist es doch ein sehr komisches Gefühl zu wissen vor Gericht erscheinen zu müssen.

Am Mittwoch sind wir sehr früh los um wirklich zur festgesetzten Zeit am Law Court Baricho zu sein. Nun ja wie zu erwarten waren wir auch die einzigen die um 8 Uhr in der Frühe da waren. Es hieß gegen halb neun sollte es los gehen. Um kurz vor neune saßen wir mit einigen anderen Kenianern im Gerichtssaal. Es war recht leer, es passierte nicht viel. Die Kinder saßen derweil im Auto und haben sich einen Film auf dem Tablett angeschaut. Wir wussten das eigentlich der Angeklagte in die „Zelle“ muss und nach der Verurteilung eine andere Person. Die Strafe zahlen muss damit der Angeklagte dann irgendwann wieder frei kommt. Keine schönen Aussichten.

Wir haben dort gesessen, es kamen immer mal Polizeiwagen die offensichtlich Verhaftete brachten die einen Nebenraum gebracht wurden, darunter Kinder! Irgendwann wurde der Richterstuhl mit Kissen bestückt und man wusste bald geht es los. Neben einer Richterin kamen verschiedene andere Personen, es wurden auch allerhand vermeintliche Beweisstücke reingetragen Fernseher, Radios und Kanister. Es ging also nicht nur um Verkehrsdelikte. Als das Gericht begann wurde einer nach dem anderen aus der Zelle aufgerufen, meist ging es nur darum wann der Termin zu richtigen Verhandlung stattfindet. Da wir Suaheli verstehen konnten wir dem meisten folgen. Es war auch irgendwie lustig da alle angeblich krank waren und dringend ins Krankenhaus mussten.

Die Richterin machte einen sehr souveränen Eindruck, sie hat sehr umsichtig die Verschiedenen Anliegen angehört und nicht per se abgelehnt. Als es um die Fälle der Kinder ging war sie besorgt, dass der Junge keine ausreichend warme Kleidung hat. Es war interessant, aber auch erschreckend zu sehen welche Schicksale dort sich abspielten. Mütter die ihre Söhne angezeigt hatten, Betrunkene die frei kommen wollten weil sie wieder was zum trinken brauchten. Der Saal war zu dem Zeitpunkt auch wirklich voll und man konnte beobachten wie verscheiden Leute versuchten Polizisten zu dem einen oder andern zu bewegen, es wechselte so mancher Schein seinen Besitzer.

Irgendwann nach dem der erste große Stapel von ca. 30 Fällen abgearbeitet war, kam der nächste Stapel dran, irgendwann wurde mein Name aufgerufen und ich musste wie zuvor alle anderen auf die Anklagebank. Es wurde die Anklage verlesen, dann das übliche „ Was haben sie dazu zu sagen?“.  Nach einer gefühlten Ewigkeit hat dann dir Richterin die Strafe bestätigt und mich weggeschickt. Es war genau der Betrag den ich zuvor bei der Polizei hinterlegt hatte. Ein Polizist hat dann die Quittung entgegen genommen und mir erklärt ich müsste warten bis das Gericht bestätigt das ich meine Strafe bezahlt habe. Immerhin durfte ich draußen warten und wurde nicht wie befürchtet zwischenzeitlich verhaftet.

Draußen haben wir dann noch einige Zeit mit anderen Verkehrssündern gewartet bis die Papiere fertig gestellt wurden. Ein anderer war mit über 140km/h erwischt worden, aber die Strafe war die gleiche, es gibt keine Abstufung! Wir konnten nach etlichen Stunden erleichtert weiterfahren, um einige Erfahrung reicher! 

Und wir haben keinen cent Schmiergeld gezahlt, sicher hätten wir uns sogar aus der Gerichtsverhandlung raus kaufen können, aber wir können nicht über Korruption schimpfen und dann selbst uns frei kaufen! Im Gespräch mit den Kenianern vor dem Gerichtssaal wurde genau das betont, dass sich doch sonst alle Weißen frei kaufen!