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Als Mama von vier Mädels kann ich eigentlich jeden Tag sagen, dass ich ausreichend mit Kindern zu tun habe. Trotzdem war heute ein ganz anders kinderreicher Tag. Oft frage ich mich, was mache ich in Nairobi, wo gibt es noch Nischen wo man sich sinnvoll einbringen kann? Gibt es überhaupt noch Nischen? Ist nicht für alles und jedes Problem eine Organisation da die sich schon kümmert?

Ja das mag sein und trotzdem wurde mir heute noch mal vor Augen geführt wie groß die Not an allen Ecken und Enden ist und man guten Gewissens einfach mit anpacken kann und sollte . Gilt sicher in Deutschland in ähnlichem Sinne?

 Es gibt nur ein paar Kilometer von uns weg ein Projekt, dass Halfway House, wir haben vor kurzem schon einmal davon erzählt. Letzte Woche hat eine junge Frau dort ein Baby zur Welt gebracht. Sie wurde vom Jugendamt, wenn man das hier so nennen kann, dort untergebracht. Nach Haft wegen Kindesvernachlässigung sollte sie dort so lange sein bis ihr zweites Kind zur Welt gekommen ist. Es war klar, dass sie mit diesem Kind nichts zu tun haben wollte, ist das doch schon der Fall bei dem ersten Kind gewesen. Trotzdem konnte sie sich in den letzten Wochen dort doch dazu durchringen sich für ihr Kind zu entscheiden.

Heute habe ich sie besucht weil ich versprochen hatte nach der Geburt, Mama und Baby zu begleiten. Wir saßen eine Stunde zusammen, Nabelpflege, ein paar Reflexe durchprobiere, Bonding zwischen der großen Schwester und dem kleinen Bruder, etwas Stillberatung und einfach reden... Es wird noch ein langer Weg sein bis diese Mama aus vollstem Herzen lieben kann und eine Perspektive für ihr Leben bekommen kann.

Direkt danach bat mich die Heimleiterin noch im Babys-Home nach einem Kind zu schauen, dass am Wochenende gebracht wurde. Reif geboren, auf der Straße eingesammelt, die Vierfache Mutter in die Psychiatrie gesteckt und das Kind nur 1,9 kg. Was für ein Bündel kleines Leben und welch eine Kämpferin. Mal davon ab, dass sie noch ganz viel wachsen muss war die Maus erstaunlich fit, wollen wir hoffen dass es so bleibt. Was aus dem Kind, der Mutter und den Geschwistern wird ist noch völlig unklar...

Nebenbei erfuhr ich das die 15 jährige Schwangere Mama aus dem Frauenhaus am Sonntag ihr Kind gebar... leider hat es nicht überlebt. Nach Missbrauch durch den eigenen Vater hat das Mädchen verweigert sich untersuchen zulassen als die Wehen einsetzten. Was man ja gewissermaßen nachvollziehen kann, das Mädchen ist traumatisiert. Aber Folge war, das man sie einfach sich selbst überlies da sie nicht kooperativ war. Das Feingefühl der Hebammen und Schwestern war nicht vorhanden. Da hat dieses Land noch viel zu lernen... Unterm Strich sind Mutter, Oma und Vater des Babys froh, dass "das Problem" nun aus der Welt ist. Wo leben wir eigentlich?

Am Nachmittag kam die Nachricht, ob ich nochmal vorbeischauen könnte? Es wurde ein Kind aus dem Gefängnis gebracht (Mutter inhaftiert), etwa ein Jahr alt und nur 5kg schwer. Auch hier ist der kleine Mann zum Glück ein Kämpfer. Aufpäppeln wird schnell gehen, aber was an seelischen Wunden schon da ist kann man nur erahnen. Mutter ist froh ihn los zu sein, wollte ihn zum Abschied noch nicht mal sehen.

Die Not ist groß und man bekommt immer nur kleine Eindrücke mit. Ich hoffe, dass ich dort zunehmend einen Platz finden kann um mit diesen Frauen nachhaltiger in Kontakt zu bleiben.